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Nokia ist nicht Apple - das zeigt sich schon an der Art und Weise, wie das Unternehmen die vielleicht wichtigste Neuerung der Markenmesse Nokia World präsentiert. Bei Apple waren solche Präsentationen bis zur Erkrankung von Steve Jobs meist Chefsache - nicht so bei Nokia. "Es steht geschrieben: Um einen Markt zu erobern, braucht man einen Masterplan und einen charismatischen Chef - immerhin haben wir ersteres", witzelt Olli-Pekka Kallasvuo über sich selbst.
Interessanter am N97 mini ist "die Software, um die die Hardware herumgebaut ist", wie es Vanjoki ausdrückt. In ihr spiegeln sich Nokias Vorstellungen vom mobilin Internet der Zukunft, das Menschen nicht mehr nur miteinander verbinden soll, sondern auch mit der sie umgebenden Welt. Auf dem N97 mini erlebt Nokias neuer Dienst "Lifecasting with Ovi" seine Premiere. Die "Lebenssender"-Anwendung basiert auf einer Partnerschaft mit Facebook: Sie ermöglicht Nutzern, direkt vom Startbildschirm ihres Handys aus im Social Network ihren aktuellen Standort bekanntzugeben und mit anderen Informationen wie Textnachrichten und Bildern zu verknüpfen.
Zudem stehen auf dem mini neben einer kostlosen internationalen Navigationsfunktion für Fußgänger Premium-Inhalte zur Verfügung. So können Touristen von unterwegs auf umgebungsspezifische Inhalte von Lonely Planet, Michelin und Wcities zugreifen.
Neben dem N97 mini wurden in Stuttgart auch noch zwei auf mobiles Musikhören ausgelegte Handymodelle namens X3 und X6 vorgestellt. Außerdem wurde ein Preis für Nokia N900 genannt, ein Linux-Handy mit Touchscreen und Qwertz-Tastatur. Es soll 500 Euro plus Mehrwertsteuer kosten. Das Gerät gilt als aktuellster Versuch der Finnen, Apples iPhone endlich ein paar Marktanteile abzujagen.
Neue Handys und freie Downloads.
«Wir sind nicht in der Defensive, wir sind in der Offensive»: Der finnische Handy-Hersteller will seine Position auf dem Weltmarkt behaupten.
Der Marktführer ist angefressen: Seit zwei Jahren muss Nokia zusehen, wie der kalifornische Handy-Newcomer Apple mit dem iPhone Erfolge feiert und immer höhere Gewinne mit seinem Online-Musik-Shop iTunes erzielt. Auf der «Nokia World» in Stuttgart geben sich die Finnen trotzig. «Wir sind nicht in der Defensive, wir sind in der Offensive», sagte Marketing-Chef Anssi Vanjoki am Mittwoch zum Auftakt der zweitägigen Hausmesse.
Dazu gehören neben einem breiten Spektrum neuer Geräte auch neue Dienste für das mobile Internet. So wird das Musik-Handy X6 im vierten Quartal mit einer Flatrate für den Musik-Download auf den Markt gebracht. Vanjoki rechnete in einer Rede vor Händlern und anderen Branchenvertretern vor, dass der Download der 100 populärsten Alben bei iTunes 934 Euro koste. Die gleiche Musik gebe es ohne zusätzliche Kosten beim X6. Das mit einem 32 Gigabyte grossen Speicher ausgestattete Gerät soll im vierten Quartal zu einem Preis von 450 Euro (ohne Vertrag) eingeführt werden.
«Wir wollen weg vom Musik-Download pro Song und pro Klick», erklärte Nokia-Manager Christof Hellmis. Die Musik kann zusätzlich zum Handy auf einem Notebook gespeichert werden. Nach Ablauf des Flatrate-Jahres ist sie weiter zu hören, der freie Download ist dann aber beendet. Das Modell mit der Marketing-Bezeichnung «Comes With Music» sei «so kalkuliert, dass es für alle Seiten ein gutes Geschäft ist», sagte Hellmis im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Die Plattenfirmen bekommen einen Teil des Verkaufserlöses.
Die X-Serie
Auch in anderen Bereichen drückt Nokia auf den Preis. «Wir wollen mit unseren Diensten viele erreichen, nicht die Wenigen», sagte Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo. So gibt es im vierten Quartal ein weiteres Musik-Handy mit der Modellbezeichnung X3 zum Preis von 115 Euro - da ist die Musik-Flatrate dann aber nicht mit dabei. Zur weiteren Neuheiten-Palette gehören das Navi-Handy Nokia 5800 und eine kleinere Ausgabe des Smartphones Nokia N97: Das N97 mini ist vor allem auf die Kommunikation mit sozialen Netzwerken wie Facebook ausgerichtet und kann etwa den geografischen Standort des Handy-Nutzers mit der «Status»-Meldung im persönlichen Profil verbinden.
Zudem steigt Nokia jetzt ebenfalls ins lukrative Geschäft mit den Netbooks ein (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtete). Gut eineinhalb Jahre nach dem ersten Eee-PC von Netbook-Pionier Asus präsentierte der finnische Handy-Hersteller am Mittwoch in Stuttgart das Booklet 3G, das mit dem neuen Betriebssystem Windows 7, WLAN und Mobilfunk als mobile Internet-Station wie als Reiseschreibmaschine dienen soll.
Das 26 mal 19 Zentimeter grosse Gerät hat einen relativ grossen Bildschirm (10,1 Zoll) und verspricht eine lange Akku-Laufzeit für eine Nutzung über bis zu zwölf Stunden. Die Markteinführung ist für das vierte Quartal geplant.
Netbooks boomen
Damit sind jetzt nahezu alle grossen IT-Hersteller auf den Netbook-Zug aufgesprungen. Während der Handy- und PC-Markt in diesem Jahr rückläufig ist, verspricht der Umsatz mit den kleinen Notebooks weiterhin beträchtlichen Zuwachs. Die Marktforscher von Gartner ermittelten für Netbooks bereits einen Anteil von 20 Prozent am gesamten Computergeschäfts in Europa; allein in Deutschland wurden im zweiten Quartal 289'000 Netbooks verkauft, zumeist von Acer, Samsung und Asus.
«Ich glaube nicht, dass wir zu spät kommen», sagte Nokia-Manager Hellmis zur Einführung des Booklets 3G. «Asus hat den Markt bereitet und den Nerv der Zeit getroffen.» Jetzt komme es darauf an, mit den entsprechenden Stückzahlen den Massenmarkt zu erschliessen.
Warum Mini-Computer besser geworden sind
Alle Hersteller arbeiten daran, die Nachteile der Netbooks auszugleichen. Das sind neben Einschränkungen bei der Bildschirmgrösse und der Tastatur vor allem Batterielaufzeit und Gesamtleistung des Systems. Mit dem im Juni 2008 eingeführten Intel-Prozessor Atom sind die Netbooks deutlich stärker geworden. Der speziell für mobile Geräte entwickelte Chip geht besonders sparsam mit dem Akku um. In dem Nokia-Gerät werkelt ein Atom Z530 mit 1,6 Gigahertz. Der Arbeitsspeicher ist mit einem Gigabyte bemessen, die Festplatte fasst 120 GB.
Spekulationen um den Konkurrenten Apple
Der einzige grosser IT-Hersteller ohne ein Netbook im Angebot ist bislang Apple. Dabei hat das kalifornische Unternehmen mit dem iPhone gezeigt, wie es sein Betriebssystem Mac OS X erfolgreich für mobile Geräte anpassen kann. Jetzt wird allenthalben darüber spekuliert, dass Apple schon in den nächsten Wochen eine Kombination aus Netbook und Tablet PC ankündigen könnte - also einen Mini-Rechner, dessen Bauteile ganz im Bildschirm integriert sind.
Der weltgrößte Handyhersteller präsentiert zahlreiche Neuheiten.
Anlässlich der jährlich stattfindenden Nokia World stellte Nokia
heute mehrere neue Geräte und Dienste vor. Nokia will damit zeigen, wie die Art
und Weise sich verändert, wie Menschen miteinander kommunizieren. Nach Ansicht
des Weltmarktführers im Handy-Bau bieten sie neue Möglichkeiten, "jeden
Augenblick im Leben jederzeit und überall optimal zu nutzen". Das gilt nicht nur
für die heute vorgestellten Geräte und Dienste, sondern auch für die in den
letzten Tagen und Wochen angekündigten Neuheiten, darunter Nokia Money,
Nokia N900, Nokia Booklet 3G,
Nokia 5230 und Nokia 5800 Navigation
Edition.
Nokia-CEO Olli-Pekka Kallasvuo gibt sich sehr selbstbewusst: "Ziel ist es, mit
unserem umfassenden Dienste-Portfolio nicht nur einige, sondern alle Menschen zu
erreichen. Dazu gehen wir verstärkt Partnerschaften mit weltweit führenden
Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen ein. Wir sind stolz darauf, dass
wir nicht nur bei den Smartphones, sondern auch darüber hinaus die
Führungspositionen innehaben. Unser neues Nokia N900 und das Nokia Booklet 3G
sind herausragende Beispiele dafür, wie sich die Welt verändert und wie Nokia
die Entwicklung vorantreibt." Auch mit der Entwicklung bei Ovi zeigt sich Nokia
sehr, sehr zufrieden. Heute nutzen etwa 55 Millionen Kunden Ovi-Dienste, zudem
sei das Wachtum so stark, dass es bis 2012 mindestens 300 Millionen Kunden
werden sollen.
Mit "Lifecasting with Ovi" will Nokia das nächste Kapitel
des personen- und ortsbezogenen Internets aufschlagen. Lifecasting with Ovi
beruht auf einer Partnerschaft mit dem sozialen Netzwerk Facebook. Es handelt
sich um eine Anwendung, mit der Nutzer direkt vom "Homescreen" in Facebook ihren
aktuellen Standort bekanntgeben und Statusinformationen veröffentlichen können.
Mit Lifecasting soll es noch einfacher werden, sich in der Facebook-Community
anzumelden und Kontakte zu knüpfen. Nokia addressiert damit ähnliche Zielgruppen
wie das Vodafone zuletzt mit der "Generation
Upload" getan hat.
Der kleine Bruder: N97 mini![]()
Seine Premiere erlebt Lifecasting auf dem
neuen Nokia N97 mini, dem kleinen Bruder des erfolgreichen Nokia N97. Die Ausstattung des N97 mini
entspricht weitgehend dem Original-Modell, es hat ebenfall einen kippbaren Touchscreen, der mit seiner
3,2-Zoll-Displaydiagonale etwas kleiner ausfällt, es hat eine vollständige
QWERTZ-Tastatur und die vom Nutzer individualisierbare Startansicht. Es gibt
auch die 5-Megapixel-Kamera mit
Carl-Zeiss-Optik und umfangreiche Multimedia-Funktionen. Der interne Speicher
ist mit 8 GB allerdings weniger großzügig bemessen, außerdem hat Nokia einen
schwächeren Akku verbaut. Insgesamt
ist das N97 Mini eine Winzigkeit leichter und schlanker als das N97.

Jonas Geust, Vice President Nokia Nseries, kommentiert: "Die Menschen möchten
reale und virtuelle Welt über das Internet miteinander verbinden. Lifecasting -
das bedeutet, mit Nokia N97 mini und Ovi den nächsten Schritt in die Zukunft des
privaten und Standort-bezogenen Internets zu machen."
Lifecasting with
Ovi wird sowohl für das Nokia N97 als auch für das Nokia N97 mini über Nokia
Betalabs erhältlich sein. Das Nokia N97 mini bietet darüber hinaus eine neue
Software, die ab Oktober auch als kostenloses Update für das Nokia N97 zur
Verfügung steht. Sie bereitet dem Nutzer eine völlig neue Erfahrung, z.B. neue
Widgets für die Startansicht sowie zahlreiche optimierte Funktionen wie Scrollen
durch eine Fingerbewegung.
Die Unterstützung für die neue Version von Ovi Karten sorgt im Nokia
N97 mini dafür, dass die Suche nach Orten und das Navigieren einfacher werden.
Neben einer kostlosen weltweiten Navigationsfunktion für Fußgänger stehen
Premium-Inhalte von Lonely Planet, Michelin und Wcities zur Verfügung.
Nutzer können die Startansicht ihres Geräts individuell anpassen. Dazu stehen
über den Ovi Store tausende von Anwendungen und Diensten zur Verfügung. Hier
lassen sich auf einfache Weise die bevorzugten Spiele, Videos oder Podcasts bis
hin zu Büroanwendungen und Webdiensten herunterladen. Dem Nutzer stehen diese
dann direkt aus der Startansicht seines Nokia N97 zur Verfügung. Das Nokia N97
mini wird voraussichtlich ab Oktober erhältlich sein.