Für zwei Tage nahmen die Gefangenen einen Tag des Flügels
unter ihre Kontrolle. Sie verschanzten sich in der Kantine, bis sie von einer
Sondereinheit der britischen Polizei hinausgeprügelt wurden. Die Gefangenen
setzten damit ein Zeichen gegen jene Stimmen, die meine, es gebe keine
politischen Gefangenen in Irland.
Die Gefangenen wurden vom
republikanischen Irland nicht überhört. In den folgenden Tagen und Wochen kam es
auf der ganzen Insel zu Proteste und Kundgebungen. Die republikanischen
Gefangenen in Portlaoise traten von 30. April bis 2. Mai einen 48-stündigen
Solidaritätshungerstreik mit ihren Genossen in Maghaberry an.
Am 29. Mai
werden irische Republikanerinnen und Republikaner in Solidarität mit den
Gefangenen marschieren. Wie in der Vergangenheit wird dafür nicht um Erlaubnis
vom britischen Staat gebeten. Irische Republikanerinnen und Republikaner haben
niemals einen der Teilungsstaaten, ob im Süden, oder im Norden, um Erlaubnis
gefragt, um in irgendeinem Teil Irlands marschieren zu können – und dies wird
auch niemals der Fall sein.
Auf einer Doppelseite im Inneren der Zeitung
berichten wir über die Situation, die die Gefangenen, ihre Familien und alle
Besucherinnen und Besucher über sich ergehen lassen müssen. Die Konditionen und
Rechte, die die Männer in Maghaberry fordern, sind nicht anderes als jene
Rechte, die bereits von vielen Generationen an Republikanerinnen und
Republikanern vor ihnen erkämpft wurden.
Seit 1917 starben 22 irische
Republikaner im Kampf für das Recht auf politischen Status. 1981 starben Bobby
Sands und neun seiner Genossen in der Hölle der H-Blocks von Long Kesh, weil sie
ihre Rechte einforderten.
Im Jahr 1998 wurden diese Rechte durch die
Unterzeichnung des Stormont-Abkommens (auch Karfreitagsabkommen, Anm. IRC) ihnen
wieder genommen. Seither wird behauptet, dass es seit 1998 keine politischen
Gefangenen in Irland mehr gebe. Die Autoren dieses Abkommens und aller Folgenden
versuchten einen Schlussstrich unter Irlands Geschichte zu ziehen. Sie wollten
der Welt zeigen, das britischer Herrschaft in Irland nun akzeptiert werde. Die
Reaktion der republikanischen Gefangenen in Maghaberry zeigt uns aber
neuerdings, dass sie nicht erfolgreich waren, den Kreislauf der irischen
Geschichte zu durchbrechen.
Die irische Geschichte lehrt uns, dass
britische Herrschaft immer auf Widerstand treffen wird – und daher wird es auch
immer politische Gefangene geben. Die andauernde Unterdrückung von
Republikanerinnen und Republikanern zeigt uns, dass der Charakter der britischen
Herrschaft in Irland sich nicht geändert hat.
Die kürzlich vollzogene
Internierung des Republikaners aus Lurgan Martin Corey – der längste Gefangene
in Long Kesh – da er sich weigerte seine republikanische Überzeugung abzulegen,
zeigt uns abermals, was wir von der britischen Herrschaft und seiner Marionetten
in Stormont halten sollen.
Der Kampf in den Mauern von Maghaberry ist
mehr, als nur ein Kampf für die Zustände im Gefängnis. Er ist Teil des größeren
Kampfs gegen britische Herrschaft in Irland. Der Kampf im Gefängnis ist ein
Widersetzung der Brandmarkung des irischen Freiheitskampfs als „800 Jahre
Kriminalität“. Indem sie das tun, sind die Republikaner in Maghaberry – um Roger
Casement zu zitieren – „in guter Begleitung und nobler Nachfolge“.

