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Es war die erste Fernsehdebatte zwischen den drei Premierminister-Kandidaten, die den kometenhaften Aufstieg von Nick Clegg bewirkte. Der bis dahin weitgehend unbekannte Führer der liberaldemokratischen Partei galt danach als eindeutiger Sieger. "Es gibt eine Alternative zu den zwei alten Parteien", lautete seine Hauptbotschaft - und die Briten glaubten ihm.
Im persönlichen Interview betont er, wie ernst es ihm damit sei: "Auch wenn Leute anderer Meinung sind, so hoffe ich, dass sie wenigstens glauben, dass ich meine was ich sage, dass ich über Sachen nachdenke, und dass ich authentisch bin in meinen Auffassungen."
Dabei ist auch Clegg eigentlich ein Politprofi. Aber ihm werden die Fehler der Vergangenheit nicht angerechnet: Irakkrieg, Afghanistan-Einsatz, Spesenskandal und Affären ohne Ende führten zu großer Verdrossenheit im Land.
Zum einen ist Clegg erst seit drei Jahren Parteichef der Liberalen - also noch ziemlich unverbraucht. Darüber hinaus aber wirkt er auch persönlich irgendwie anders, vielleicht weniger britisch. Seine Mutter ist Holländerin, sein Vater hat russische Wurzeln und Clegg selbst ist mit einer spanischen Anwältin verheiratet. Das ist ziemlich multikulti für das hiesige Polit-Establishment. Außerdem spricht der junge Liberale fünf Sprachen und ist bekennender Europäer. Das wiederum ist geradezu exotisch.
Interessant ist dabei, dass Clegg eigentlich von genauso privilegiertem Hintergrund kommt, wie der Konservative David Cameron. Der ist Teil der reichen, traditionellen Eton-Oxford-Clique und hat das Auftreten eines Oberschicht-Sprösslings. Das schreckt zumindest einen Teil der Wähler ab.
Auch die Familie des Liberalen war wohlhabend. Er ging auf die feine Westminster-Privatschule in London und studierte in Cambridge. Dann aber zog er weiter nach Belgien und in die USA. Seine politische Karriere begann in Brüssel bei der EU-Kommission, danach wurde Clegg Europaabgeordneter.
Bei allen ererbten Privilegien: Clegg ist international orientiert und wirkt irgendwie modern. Das gilt auch für sein Familienleben: Bei der Geburt seines dritten Kindes nahm er Vaterschaftsurlaub - so etwas kommt gerade bei britischen Wählerinnen gut an.
Wofür aber steht Clegg politisch? Bei den Fernseh-Debatten vertrat er teilweise Positionen, die genau die Volksmeinung treffen: "Wir müssen eine zehnprozentige Steuer auf Bankgewinne einführen", sagte er beispielsweise, "weil unser System jetzt dazu führt, dass die Banken Verluste absetzen können und vielfach gar keine Steuern zahlen."
Das kommt an: Sein Bekenntnis zu Europa dagegen, Amnestie-Pläne für illegale Einwanderer und seine Kritik an einer Modernisierung des britischen Atomwaffen-Arsenals sind dagegen mutige Positionen. Allerdings: Wahlentscheidend ist hier, wem die Bürger am ehesten zutrauen, das enorme Staatsdefizit abzubauen und die Rezession zu überwinden. Und bei diesem Thema bleiben alle, auch Clegg eher vage.