Clan MacCall & Friends: Public News 2010

Schottland, Irland, Internet, Multimedia, Handy, Skype, Bravis, Soft/Hardware & Internationale News

Publicationen:

Wer ist angemeldet

3 anonymous users and 0 registered users online.

You are an unregistered user or have not logged in.

Skype Status:


Julian Ian Braveheart MacCall of Skye
My status


MacCall: Gute Laune Chat und Cast
My status


Kostenlose PC - Hilfe aller Art.
My status


Hilfe bei Homepage und Design
My status


Celtic Music Stream
My status


Zikula und PHP Schulung
My status


Android Quelle: Hilfe und Apps Tipps
My status

News

Lead Page | Archive ]
Scotland

Scotland: Die schottische Spinne.

Posted by Belfast-Tessy on Mar 29, 2010 - 11:56 AM

Scotland



Seinen langjährigen Krimihelden John Rebus hat Ian Rankin in Pension geschickt. Jetzt denkt der hochdekorierte schottische Bestsellerautor über eine Wiedergeburt für Rebus nach.



Vertrauen. Dieses Wort müsste man in Grossbuchstaben schreiben, jedes Mal, wenn es im neuen Roman von Ian Rankin vorkommt – und das tut es oft. «Vertrauen ist das Thema, das den Kickoff zu „The Complaints“ gab», sagt der hochdekorierte Krimiautor. «Vertrauen, das verlorengegangen ist. Die Bankenkrise hat auch Schottland in seinen Grundfesten erschüttert.» Und Schottland, genauer: Edinburgh, ist der Stoff, aus dem Rankins Romane sind. «Meine Krimis müssen ein Spiegel der Gesellschaft sein, ich schreibe keine l’art pour l’art.»

Der Schotte schreibt nicht «pour l’art» und auch nicht fürs Geld. Denn wenn es darum ginge, hätte der Bestsellerautor sich längst zurücklehnen können. Stattdessen sitzt er vor seiner Lesung aus «The Complaints», zu deutsch «Ein reines Gewissen», im Zürcher Kaufleuten, er trägt No-Name-Jeans und klobige schwarze Schnürschuhe, gönnt sich zwischendurch einen Schluck aus der Bierflasche wie ein Büezer in der Znünipause und erzählt von seinem Handwerk, dem Schreiben. Und vom Leben – und davon, wie beides zusammengehört.

«Ich mags realistisch»

«Als ich meinen Ermittler John Rebus vor rund drei Jahren in Pension schickte – er hatte ja das Alter dafür erreicht, und ich mags gern realistisch –, war ich komplett frei. Ich hätte alles machen können oder gar nichts mehr.» Doch am Schluss überraschte Rankin sich selber. «Meine Frau musste sehr lachen, als ich ihr „Ein reines Gewissen“ vorlegte: wieder ein Krimi, wieder ein Edinburgher Polizist. Das muss offenbar so sein.» Denn Polizisten können genau das, was ihn brennend interessiert: Sie stecken ihre Nase in jeden Winkel der Welt, dort, wo die Banker und Immobilienhaie ihre Machenschaften austüfteln; wo Drögeler abhängen und Ex-Knackis ihren nächsten Bruch planen; und wo die Mittelschicht um Besitzstandswahrung kämpft wie ein Verdurstender um einen Schluck Wasser.

«Der literarische Roman hat immer etwas Introspektives», sagt der knapp 50-Jährige, der dem Stereotyp des wortkargen, unfreundlichen Schotten so wenig entspricht wie die Kulturmetropole und Kapitale Schottlands dem Loch Ness. «Der Krimi dagegen wird durch einen Vorfall in der Aussenwelt angekickt und führt – durch die Ermittlungen – immer weiter in die Gesellschaft hinein.» Die Tat ist das Zentrum des Spinnennetzes und der Autor die Spinne, die ihr Netz über die Welt spannt. Ein Krimi soll kein Essay sein, unterstreicht Rankin, soll keine Mission haben – aber unbedingt relevante Fragen stellen.

Büezer unter den Edelfedern

Rankin meint, dass er heute viel politischer sei als früher, und als er das sagt, beugt er sich vor wie eine geballte Faust. Das Vatersein (seine Kinder sind 18 und 15 Jahre alt, der eine Sohn ist schwer behindert) habe seinen Blick auf die Welt geschärft: «Das Chaos, das wir hinterlassen – nicht auszuhalten!»

Und auch in einem unabhängigen Schottland würden die Dinge nicht besser laufen, ist Rankin überzeugt. Als die Royal Bank of Scotland, der Stolz der Schotten, zusammenbrach und mit ihr eine ganze Branche – der finanzielle Sektor macht in Edinburgh 20 Prozent der Jobs aus –, wäre man ohne das britische Parlament sang- und klanglos untergegangen.

Der Büezer unter den kriminalistischen Edelfedern beisst sich an solchen gesellschaftlichen Problemen fest. Er liebt es hardboiled, gut geschrieben und «mit ernsthaften Absichten». In seinem Regal stehen nicht Agatha Christie, nicht P. D. James (die er privat sehr schätzt), sondern Dashiell Hammett und Sjöwall/Wahlöö. Keine Detektivgeschichten, sondern Krimis und Sachbücher, zum Beispiel über Menschenhandel oder die Geschichte von Edinburgh: «Die Stadt verändert sich ständig, darum geht mir der Stoff nie aus; von anderen Städten kenne ich wenig – von Zürich zum Beispiel nur Sprüngli.»

Dennoch existiert für Rankin, der ohne Wehmut auf seine abgebrochene Doktorarbeit in englischer Literatur schaut («alles zu theoretisch»), im Grunde nur ein einziges Buch, das ein Krimiautor wirklich braucht, und dieses ist introspektiv: «The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde».

«Vielleicht, irgendwann einmal glücklich sein»

Rankins neuer Held freilich, Malcolm «Foxy» Fox, ein trockener Alkoholiker, ist von Zerrissenheiten wie bei Jekyll und Hyde ziemlich weit entfernt. Er tut seine Arbeit in einer Abteilung, wo man den Ball lieber schön flach hält: bei «Complaints & Conduct» der Edinburgher Polizei – also da, wo man den Verfehlungen der lieben Kollegen nachgeht. Kein Job, mit dem man sich beliebt macht; man muss nett sein, ein Teamplayer, ein stiller Beobachter, kein Berserker. Foxy ist ein Feigling, der aber auch anders kann. «Foxy ist mehr wie ich als der asoziale und abgefuckte Rebus. Er kann, vielleicht, irgendwann einmal glücklich sein.»

Und möglicherweise bekommen wir das dann mit: Rankin könnte sich vorstellen, noch ein, zwei weitere Bücher über den Spion im Herzen der Polizei zu verfassen. Allerdings hat er unter anderem eine Wiedergeburt von John Rebus im Sinn – als postpensionärer Ermittler ungelöster Fälle, die zu den Akten gelegt wurden. Möglicherweise geraten die beiden Helden auch aneinander: Wenn Ian Rankin darüber spricht, wächst das neue Buch schon unter seinen beredten Händen.

Weiterschreiben wird Ian Rankin auf jeden Fall. Denn am Schreibtisch ist er am glücklichsten. Nach jeweils fünf bis sechs Monaten und zahllosen Kaffees ist ein Roman in der Regel fertig und das Thema «out of my system». So wie das Thema Vertrauen, das er jetzt in «Ein reines Gewissen» von der Immobilienblase bis (ausgerechnet) zur Pädophilie durchdekliniert hat. Eine Maske nach der anderen fällt in «Ein reines Gewissen». Jeder – im Polizeibetrieb und ausserhalb – steht unter Generalverdacht, und am Schluss wird alles furchtbar kompliziert. «Die sexuelle Unbedenklichkeitsprüfung, die jüngst in England eingeführt wurde, selbst für Schriftsteller, die in Schulen lesen, zeugt von der grossen Verunsicherung – und ist in dieser Form einfach absurd», konstatiert der Autor, der kein Blatt vor den Mund nimmt und gesellschaftliche Trends genau verfolgt.

2010 jedoch schreibt Ian Rankin erst mal nichts, liest, worauf er Lust hat – im Moment gerade Colm Tóibín. Und liest vor, ganz ohne Sex-Check.