Über 2000 Aussteller aus 39 Ländern präsentieren
sich bis zum 31. März in Leipzig. Der Aufbruch ins Multimedia-Zeitalter ist
rasant, eröffnet neue Märkte, verdrängt vor allem aber das gedruckte Buch
nicht.
Der Börsenverein des deutschen Buchhandels erwartet für das laufende Jahr den
Aufbruch in die multimediale Zukunft. Die Digitalisierung der Gesellschaft
gewinne immer größere Dynamik und eröffne für Verlage und Buchhandel viele neue
Märkte, sagte Börsenvereinsvorsteher Gottfried Honnefelder am Mittwoch in
Leipzig.
Von einer Verdrängung des Buches durch digitale Medien könne
nach wie vor keine Rede sein. Vielmehr sei es so, dass beide Branchen
gleichzeitig expandierten. „Je stärker der digitale Markt wächst, umso mehr
wächst auch der Buchmarkt“, sagte Honnefelder. Zudem würden sich die Buchhändler
wieder mehr auf ihre wichtigste Kompetenz, die Auswahl von Literatur, besinnen,
die das Internet nicht bieten könne.
Buchhandel ist optimistisch
Er hoffe, dass der Buchhandel in diesem
Jahr das Umsatzniveau des Vorjahres werde halten können. 2009 konnte die Branche
nach Honnefelders Worten ein Plus von 2,8 Prozent verzeichnen. In das laufende
Jahr seien Verlage und Buchhandel verhalten gestartet. Der Umsatz in
Buchhandlungen, im E-Commerce und in den Warenhäusern ging in den ersten beiden
Monaten des Jahres um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
zurück.
Honnefelder machte den kalten Winter, der die Kauflust gebremst
habe, und das Fehlen auflagenstarker Bestseller dafür verantwortlich. Dennoch
sei der Sortimentsbuchhandel für den weiteren Jahresverlauf optimistisch: In
einer aktuellen Untersuchung äußerten 31,7 Prozent der Befragten, sie erwarteten
für 2010 eine sehr gute bis gute Umsatzentwicklung.
Leipziger Buchmesse mit 2100 Ausstellern stabil
Wie Messechef Martin
Buhl-Wagner sagte, hat sich die Leipziger Buchmesse entgegen anderslautender
Prognosen stabil gehalten. Mit rund 2100 Ausstellern aus 39 Ländern sei die
Buchmesse 2010 so facettenreich und bunt wie in den Vorjahren. Neu in diesem
Jahr ist ein eigener Bereich für die Musikverlage. Nachdem die Leipziger schon
in den vergangenen Jahren Themen wie Hörbuch, Bildung oder die jungen Verlage
groß gemacht hätten, setze man mit dieser Weiterentwicklung erneut einen
Trend.
Europas größtes Lesefestival
Buhl-Wagner verwies auch auf Europas
größtes Lesefestival „Leipzig liest“, bei dem in den kommenden Tagen rund 1500
Autoren in mehr als 2000 Veranstaltungen auf dem Messegelände sowie an 300
weiteren Orten in der Stadt zu erleben sind.
Buchmessedirektor Oliver
Zille erklärte, die Leipziger Buchmesse habe sich in den vergangenen Jahren
besondere Kompetenzen in den Bereichen Kinder- und Jugendbuch, der Belletristik
vor allem freier und unabhängiger Verlage, der Förderung junger Autoren und in
der Ausrichtung auf mittel- und osteuropäische Literatur erworben. Wichtig seien
den Messemachern die Leseförderung und die Vermittlung von Medien- und
Informationskompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Er freute sich, dass alle
großen Musikverlage im neu geschaffenen Ausstellungsbereich dabei sind.
Branchentreff mit Tradition
Die Leipziger Buchmesse blickt auf eine
lange Geschichte zurück. Bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war
die Stadt Treffpunkt von Buchhändlern, Druckern und Verlegern. Sie besuchten
regelmäßig die Leipziger Jahrmärkte. Von 1504 an begann der Buchhandel zu
blühen. Leipzig wurde zur ernsthaften Konkurrenz des älteren Messeplatzes
Frankfurt/Main.
Nach der Reformation entwickelten sich Verlagsgewerbe und
Buchhandel rasant, wurden aber vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) nahezu
ausgelöscht. Doch der Branchentreff erholte sich wieder. 1764 wurde Leipzig von
den Buchhändlern zur „Hauptstadt“ des Buchhandels erklärt.
Nach einer
Pause in der Nazi-Zeit startete die Messe 1946 erneut. Anfang der 1970er Jahre
wurden die zwei Buchmessen pro Jahr auf eine im Frühjahr reduziert. 1991 fand
die erste eigenständige Internationale Leipziger Buchmesse nach dem Ende der DDR
statt. Rund 31 000 Besucher kamen.
Seit 1998 präsentiert sich die Branche
auf dem neuen Messegelände am Stadtrand. Der vom Literaturfestival „Leipzig
liest“ begleitete Branchentreff gilt heute vor allem für kleinere und mittlere
Verlage als unverzichtbar. 2009 zählten die Veranstalter 147 000 Besucher.
Die Leipziger Buchmesse läuft vom 18. bis zum 21. März. Als Gastland tritt in
diesem Jahr Argentinien auf. Begleitet wird die Buchmesse von der 16. Leipziger
Antiquariatsmesse.